MEDTEC 2013:
Instrumentengriff mit integrierter Elektronik erleichtert Operationen
Chirurgen müssen mit absoluter Präzision operieren, das Führen der Instrumente erfordert viel Feingefühl. Ein neuartiger Instrumentengriff unterstützt Mediziner künftig bei OPs. Einen ersten Prototyp stellen Fraunhofer-Forscher vom 26. bis 28. Februar auf der Messe MEDTEC 2013 in Stuttgart vor.
Wie weit habe ich die Schraube bereits in den Knochen gedreht? Habe ich zu viel Kraft aufgewandt? Ist die maximale Kraft erreicht? Solche und ähnliche Fragen stellen sich Chirurgen beim Operieren. Bislang müssen sie sich auf ihr Fingerspitzengefühl und ihre Erfahrung verlassen. Künftig soll ein vulkanisierter Instrumentenhandgriff, an den sich chirurgische Werkzeuge wie Schraubenzieher und Spreizer anschrauben lassen, das präzise Operieren vereinfachen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart haben das Gerät in Zusammenarbeit mit der Firma Weber Instrumente GmbH entwickelt. Durch die Integration von elektronischen Komponenten erhält der Operateur während des Eingriffs Feedback, ob er das Instrument noch weiter einführen kann. Zieht er beispielsweise eine Schraube an, messen Sensoren die aufgewendete Kraft. Ist das optimale Drehmoment erreicht, melden LEDs dies durch ein optisches Signal, das im transparenten Silikonbereich des Griffs aufleuchtet. »Vor allem junge, noch nicht so routinierte Chirurgen mit wenig Operationspraxis profitieren von dieser Technik«, sagt Christof Giers, Wissenschaftler am IPA.
Die erforderliche Energie wird über ein induktives Ladeverfahren beziehungsweise ein Spulensystem zugeführt und gespeichert. »Eine Spule befindet sich im Handgriff, die andere in einem Tischchen. Der Operateur muss den Griff lediglich auf den Tisch legen und schon wird der Akku aufgeladen«, erläutert Giers.
Die komplette Elektronik inklusive Sensoren, Auswertung und LEDs ist im Griff vergossen. Dadurch existiert kein Spalt, in den sich Keime festsetzen können. Eine weitere Besonderheit: Der Instrumentengriff lässt sich bei 134 Grad Celsius sterilisieren. Da die Elektronik beim Sterilisationsprozess ausgeschaltet ist, übersteht sie die hohen Temperaturen unbeschadet. »Bislang gibt es keine Elektronik in chirurgischen Instrumenten, sie wird durch die Hitze funktionsunfähig«, erklärt Giers.
Die Forscher wollen den rund neun Zentimeter langen Griff zudem um eine Funkschnittstelle erweitern, sodass die Sensordaten an einen PC übertragen und so der Operationsverlauf dokumentiert werden kann. Ein erster Prototyp wird vom 26. bis 28. Februar auf der Messe MEDTEC in Stuttgart am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle 3, Stand B04 präsentiert.
Unter dem Motto »Technologies And Services for Life Sciences« präsentieren wir gemeinsam mit vier anderen Fraunhofer-Instituten unsere aktuellen Forschungsergebnisse auf der Fachmesse für Medizintechnik MEDTEC Europe 2013, die vom 26. bis 28. Februar in Stuttgart stattfindet.
Am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle 3, Stand B04/B10 können Sie sich ein Bild von den neuesten Entwicklungen machen: Die Bandbreite reicht vom kabellosen Hirndrucksensor über Venenklappenprothesen bis hin zur künstlichen Hornhaut, die das Augenlicht von Patienten mit Erkrankungen der Augenhornhaut retten kann.
Darüber hinaus wird in Halle 5, Stand E20 ein neues Laborfahrzeug vorgestellt, das auf Basis eines Sattelaufliegers ein voll ausgestattetes medizinisch-analytisches Labor und mehr als 30 m2 Fläche für ärztliche Untersuchungen bietet. Das Fahrzeug ist seit Ende Januar 2013 deutschlandweit als mobiles epidemiologisches Zentrum für die Umweltprobenbank des Bundes im Einsatz. Der Truck ermöglicht es erstmals, an den verschiedenen Standorten identische Bedingungen für Probenahme, Aufbereitung und Analytik zu schaffen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Unsere Wissenschaftler stehen Ihnen gerne für Interviews und individuelle Presserundgänge zur Verfügung.