Energie als steuerbare Ressource

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Unsere KI-Kompetenz im Last- und Flexibilitätsmanagement

Die Volatilität der Energiemärkte ist für die Industrie nicht nur ein Risiko, sondern eine strategische Chance. Während klassisches Lastmanagement oft nur reaktive Kostenvermeidung durch das Kappen von Lastspitzen bedeutet, gehen wir einen entscheidenden Schritt weiter. Wir betrachten Ihre Energieflüsse als steuerbare Ressource und Ihre flexiblen Prozesse als »virtuelles Kraftwerk«.

Unsere Kernkompetenz liegt in der Entwicklung KI-basierter Methoden, um industrielle Energie-Flexibilität zu identifizieren, zu planen und wirtschaftlich optimal zu nutzen. Auf Basis praxiserprobter Architekturen und Algorithmen aus dem Kopernikus-Projekt SynErgie befähigen wir Unternehmen, nicht nur auf interne Anforderungen, sondern auch auf externe Marktsignale intelligent zu reagieren und Energie vom reinen Kostenfaktor zur aktiven Ertragsquelle zu entwickeln. Damit entwickeln wir Energie vom reinen Kostenfaktor zur wertschöpfenden Ressource und machen flexible Prozesse zum integralen Bestandteil einer energieadaptiven Produktion.

Vom Kostenfaktor zum aktiven Ertragsbringer

  • Klassisches Lastmanagement – Reaktive Kostenvermeidung

    Das traditionelle Ziel liegt in der Reduktion betrieblicher Energiekosten durch das Kappen von Leistungsspitzen („Peak Shaving“). Droht eine Überschreitung eines vordefinierten Grenzwertes, werden Verbraucher abgeschaltet. Das Potenzial, auf dynamische Marktpreise zu reagieren, bleibt ungenutzt.
     

    Intelligentes Flexibilitätsmanagement – Unser Ansatz

    Wir verfolgen einen proaktiven, marktintegrierten Ansatz. Energie- und Produktionssysteme werden als zusammenhängendes Optimierungsproblem betrachtet. KI-Modelle planen Lasten, Speicher und Erzeuger auf Basis von Preis-, Wetter- und Prozessprognosen. Ziel ist die Maximierung des gesamtwirtschaftlichen Nutzens – durch Kostensenkung, Erlösgenerierung und CO₂-Reduktion.

    Grundlage dieses Ansatzes ist eine durchgängige Datenintegration: Produktions-, Energie- und Marktdaten werden in einem digitalen Zwilling zusammengeführt. Dieser virtuelle Systemabbild erlaubt Simulation, Bewertung und Steuerung von Flexibilitäten in Echtzeit. Die Steuerung erfolgt über einen lernenden Regelkreis aus Prognose, Optimierung und automatisierter Umsetzung. So erkennt das System eigenständig, wann eine Lastverschiebung technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist, und setzt die Entscheidung automatisiert über standardisierte Schnittstellen (z. B. EFMS-API) um.

    Das Ergebnis ist eine intelligente, energieflexible Fabrik – ein virtuelles Kraftwerk, das aktiv auf Markt-, Preis- und Netzsignale reagiert und Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz miteinander verbindet.

  • 1. Potenzialanalyse & der »Energetische Fußabdruck«
    Jede Optimierung beginnt mit dem Verstehen. Wir ermitteln den energetischen Fußabdruck Ihrer Produktion – eine Kennzahl, die den Energieverbrauch pro Auftrag oder Produkt abbildet. Darauf aufbauend identifizieren wir Ihre Flexibilitätspotenziale:

    • Inhärente Speicher: Wir analysieren Prozesse mit natürlicher thermischer Trägheit (z.B. Schmelzöfen, Kühlhäuser, Gebäudehüllen) oder prozesstechnischen Puffern (z.B. Druckluftspeicher, Materiallager), die eine zeitliche Entkopplung von Energieeinsatz und Produktion ermöglichen.
    • Verschiebbare Lasten: Wir identifizieren energieintensive Prozesse, deren Startzeitpunkt innerhalb bestimmter Grenzen flexibel ist.
    • Quantifizierung: Wir bestimmen präzise, wie viel Leistung (kW) für wie lange (kWh) verschoben werden kann, ohne Ihre Kernprozesse zu beeinträchtigen.

    2. Prädiktive Prognosen als Entscheidungsgrundlage
    Eine vorausschauende Steuerung ist nur so gut wie ihre Prognosen. Wir entwickeln hochpräzise, probabilistische Prognosemodelle für alle relevanten Variablen:

    • Lastprognosen: Für Ihre nicht steuerbaren Grundlasten.
    • Erzeugungsprognosen: Für Ihre volatilen Eigenerzeugungsanlagen (z.B. PV).
    • Preisprognosen: Für die relevanten Energiemärkte (Day-Ahead & Intraday), um Handelsentscheidungen zu fundieren.

    3. Mathematische Optimierung & KI-basierte Entscheidungsfindung
    Dies ist das Herzstück unserer Forschungskompetenz. Wir übersetzen Ihre Produktionslandschaft in mathematische Modelle und finden den optimalen Fahrplan.

    • Modellbasierte Optimierung: Wir formulieren Ihre Prozesse als stochastisches Mixed-Integer Linear Program (MILP). Dieses Modell findet unter Berücksichtigung aller technischen und prozessualen Randbedingungen (z.B. maximale Schalthäufigkeit, Temperaturgrenzen) den wirtschaftlich optimalen Einsatzplan für Ihre flexiblen Anlagen.
    • Lernende Systeme mit Deep Reinforcement Learning (Deep-RL): Für hochdynamische Umgebungen entwickeln wir adaptive Steuerungen, die ähnlich wie ein Schachcomputer agieren. Das System lernt durch tausende von Simulationen eine intuitive, vorausschauende Strategie, um selbst auf unvorhersehbare Marktereignisse optimal zu reagieren und den langfristigen Ertrag zu maximieren.

    4. Automatisierte Steuerung & Regelung
    Unsere Kompetenz endet nicht beim Fahrplan. Wir entwickeln die Logik und die Schnittstellen, um die optimalen Entscheidungen automatisiert in die Realität umzusetzen. Dies umfasst die Konzeption von Reglern, die Anbindung an Ihre Leitsysteme (SPS, MES) und die Etablierung einer robusten, bidirektionalen Kommunikation

  • Unsere Methoden wurden im Rahmen von Forschungs- und Industrieprojekten erfolgreich in der Praxis validiert und umgesetzt:

    • Preisorientierte Produktionsplanung: Wir verschieben die Auftragsreihenfolge oder unterbrechen Prozesse gezielt, um energieintensive Schritte (z.B. das Aufheizen eines Ofens) in Phasen mit niedrigen Strompreisen zu legen. In Pilotprojekten konnten so die Energiekosten signifikant gesenkt werden.
    • Cross-Commodity-Optimierung: Bei der Wärmeplanung wählt unser System dynamisch den jeweils günstigsten Energieträger aus. Es entscheidet automatisiert, ob es wirtschaftlicher ist, Wärme mit günstigem Strom (z.B. über Power-to-Heat) oder mit Gas zu erzeugen.
    • Aktive Flexibilitätsvermarktung: Unsere Systeme erstellen auf Basis von Preisprognosen optimale Gebote für den Day-Ahead- und Intraday-Handel. Die identifizierten Flexibilitäten werden so zu einer direkten, zusätzlichen Erlösquelle.
    • Strategische Tarifbewertung: Wir simulieren den Betrieb Ihrer Anlagen unter verschiedenen, zukünftig verpflichtenden dynamischen Stromtarifen. So erhalten Sie eine fundierte, quantitative Entscheidungsgrundlage, welches Tarifmodell für Sie das profitabelste ist.
  • Unsere Algorithmen entstehen nicht in der Theorie, sondern werden unter härtesten, realitätsnahen Bedingungen entwickelt und validiert. In unserer weltweit einzigartigen WanDa (Wandlungsfähige Druckluft-Forschungsanlage) integrieren wir Prototypen in eine industrienahe Testumgebung, um deren Nutzen in reproduzierbaren Szenarien zu bewerten.

    In unserer Demonstrationsanlage strömt die Druckluft wahlweise durch intakte Schläuche oder durch solche mit kaum sichtbaren Löchern, Knicken und undichten Verbindungsstücken – den häufigsten Leckageursachen in der Industrie. Welchen Weg die Druckluft auch nimmt, für das bloße Auge macht das keinen Unterschied: Die Aktoren verrichten weiter ihren Dienst.

    Doch unser System misst präzise, was unsichtbar bleibt: Es erfasst, ob die Luft mit mehr oder weniger Druck strömt, ermittelt den Durchfluss, die Position der Aktoren, den Zustand der Ventile und nimmt sogar Ultraschallsignale auf. Mit bis zu 20 einzeln ansteuerbaren Aktoren simulieren wir komplexe industrielle Lastprofile und generieren mit Abtastraten von bis zu 100 Hz eine immense Datenmenge von bis zu 300 GB pro Betriebstag. Dieser riesige und hochqualitative Datenschatz ist die Grundlage für die Entwicklung von KI-Modellen, die auch in Ihrem komplexen industriellen Umfeld zuverlässig und präzise funktionieren.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Flexibilitätsmanagement

Was ist der konkrete Unterschied zwischen Lastmanagement und Flexibilitätsmanagement?

Lastmanagement ist oft eine rein interne, reaktive Maßnahme zur Vermeidung von Kosten, z.B. das Abschalten einer Anlage, um Netzentgelte zu sparen. Flexibilitätsmanagement ist ein proaktiver, strategischer Ansatz. Es optimiert den Energieverbrauch nicht nur nach internen, sondern auch nach externen Marktsignalen (Strompreisen) mit dem Ziel, den Gesamtgewinn aus Kosteneinsparungen und zusätzlichen Erlösen zu maximieren.
 

Welche Prozesse in meinem Unternehmen sind überhaupt »flexibel«?

Typische Flexibilitätspotenziale liegen in Prozessen mit inhärenten Speichern. Das sind zum Beispiel thermische Prozesse (Öfen, Trockner, Kühlhäuser), deren Temperatur in einem bestimmten Band schwanken darf, oder Prozesse mit Materialpuffern (Druckluftnetze, Tanks, Silos). Auch die zeitliche Verschiebung ganzer Produktionsaufträge kann eine Flexibilität darstellen.
 

Muss ich zum Energiehändler werden, um davon zu profitieren?

Nein. Unsere KI-Systeme übernehmen die komplexe Arbeit. Sie analysieren die Marktdaten, berechnen die optimale Strategie und können die Handelsgebote vollautomatisch vorbereiten oder sogar platzieren. Sie definieren die strategischen Leitplanken, die KI übernimmt die operative Optimierung.
 

Was ist »Deep Reinforcement Learning« in einfachen Worten?

Stellen Sie sich einen KI-Agenten vor, der in einer Simulation tausendfach lernt, wie man Ihr Energiesystem am profitabelsten fährt. Er probiert verschiedene Strategien aus, wird für gute Entscheidungen (niedrige Kosten, hohe Erlöse) "belohnt" und für schlechte "bestraft". Mit der Zeit entwickelt er so eine Art Intuition, um auch auf neue, unvorhersehbare Marktsituationen vorausschauend und optimal zu reagieren.
 

Wie robust ist eine solche Optimierung gegenüber ungenauen Prognosen?

Das ist ein zentraler Punkt unserer Forschung. Wir nutzen probabilistische Prognosen, die eine Bandbreite möglicher Entwicklungen aufzeigen. Unsere Optimierungsmodelle (z.B. mittels CVaR-Optimierung) berücksichtigen diese Unsicherheiten gezielt, um robuste Fahrpläne zu erstellen. Sie wägen zwischen der Chance auf maximale Ersparnis und dem Risiko von Prognosefehlern ab. Untersuchungen zeigen, dass selbst bei mittleren Prognosefehlern die wirtschaftlichen Vorteile deutlich erhalten bleiben.

Unser Leistungsangebot

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