KI-basierte Leckageerkennung in Druckluftsystemen

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Kosten senken, Effizienz steigern

Druckluft ist ein universeller, aber auch extrem teurer Energieträger in der Industrie. Allein in Deutschland entfallen rund 3 % des nationalen Stromverbrauchs (ca. 16 TWh pro Jahr) auf die Erzeugung von Druckluft. Das größte Effizienzproblem dabei ist oft unsichtbar: Leckagen. In vielen Betrieben entweichen unbemerkt 15 % bis 60 % der erzeugten Druckluft, was immense Kosten verursacht. Schätzungen zufolge lassen sich bis zu 30 % dieses Energiebedarfs einsparen, wenn Lecks konsequent erkannt und behoben werden.

Die klassische Lecksuche mit Ultraschallmikrofonen oder anderer Sensorik ist personalintensiv, teuer und nur eine Momentaufnahme. Wir gehen einen intelligenteren Weg. Unsere Kompetenz liegt in der Entwicklung KI-basierter Systeme, die Leckagen in Echtzeit erkennen, quantifizieren und lokalisieren – rein auf Basis von bereits vorhandenen Sensordaten. Wir verwandeln Ihr Druckluftnetz in ein selbstüberwachendes, intelligentes System.

Der teuerste Energieträger und seine stillen Verluste

  • Wir betrachten Ihr Druckluftsystem als reichhaltige Informationsquelle. Anstatt auf teure Zusatzsensorik zu setzen, nutzen wir die Daten, die Ihre Kompressoren und Sensoren bereits liefern, und wählen je nach Datenlage das optimale Lernverfahren.

    • Szenarien der Anomalieerkennung: Die passende Strategie für Ihre Daten
      • Unüberwachtes Szenario (Der Regelfall): Es liegen keine Labels vor. Unsere Systeme, basierend auf Architekturen wie Autoencodern oder Transformern, lernen selbstständig das Normalverhalten aus den Daten und identifizieren jede signifikante Abweichung als Anomalie. Dieser Ansatz ist ideal für die Praxis, da der manuelle Annotationsprozess entfällt.
      • Überwachtes Szenario (Der Idealfall): Liegen gelabelte Messdaten vor, erlernen Modelle wie Entscheidungsbäume, welche Signaturen zu welchen Leckstellen gehören. Dies liefert höchste Genauigkeit für bekannte Fehler.
      • Selbst-/Teilüberwachte Szenarien (Der beste Kompromiss): Wir kombinieren eine kleine Menge an annotierten Daten mit vielen ungelabelten Daten oder nutzen Zeitreihen-Rekonstruktion. Bereits wenige Labels können die Erkennungsrate signifikant erhöhen.
    • Ereignisdetektion und Feature-Extraktion
      Leckagen äußern sich als unerwartete Druckabfälle oder dauerhafte Grundlasten. Unsere Algorithmen zur Change-Point-Erkennung identifizieren signifikante Änderungen im Druck- oder Durchflussverlauf. Anschließend extrahieren wir charakteristische Signaturen – wie Druckabfallkurven oder Lastgradienten. Eine Grundlastanalyse in Stillstandszeiten liefert dabei klare Rückschlüsse auf die generelle Dichtheit des Systems.
  • Die reine Detektion reicht nicht aus. Die große Herausforderung – und unsere besondere Expertise – liegt in der Eingrenzung des Ortes, um Reparaturen gezielt durchzuführen.

    • Physikalische Netzmodellierung: Wir modellieren das physikalische Netz Ihres Druckluftsystems und korrelieren Messwerte von unterschiedlichen Positionen miteinander.
    • Analyse von Druckwellen: Eine Leckage erzeugt eine minimale Druckwelle. Durch die zeitversetzte Analyse der Signale von mehreren verteilten Drucksensoren können wir den Ursprungsort der Störung eingrenzen.
    • Zonenspezifische Verbrauchsanalyse: Durch intelligente Segmentierung Ihres Netzes ordnen wir den Verlust einem spezifischen Leitungsabschnitt oder einer Verbrauchergruppe zu.
  • Um die Lokalisierung und Quantifizierung noch präziser zu gestalten, setzen wir auf einen der modernsten Ansätze der KI-Forschung: Physics-Informed Neural Networks (PINNs).

    • KI trifft auf Strömungsmechanik: Ein PINN ist mehr als nur ein datengetriebenes Modell. Es integriert die fundamentalen Gesetze der Physik – in diesem Fall die Kontinuitäts- und Impulsgleichungen der Strömungslehre – direkt in die Verlustfunktion des neuronalen Netzes. Das Modell wird also nicht nur dafür optimiert, die Sensordaten gut abzubilden, sondern auch dafür, dass seine Vorhersagen physikalisch konsistent sind.
    • Die Vorteile für Sie:
      • Höhere Präzision mit weniger Daten: Da das Modell die physikalischen Grundprinzipien "kennt", benötigt es deutlich weniger Messpunkte, um valide Aussagen zu treffen.
      • Robustheit und Interpretierbarkeit: Die Ergebnisse sind stets im Rahmen des physikalisch Möglichen, was Falschalarme reduziert und die Ergebnisse nachvollziehbar macht.
      • Reduzierter Sensorbedarf: PINNs verbinden die Vorteile daten- und modellbasierter Ansätze und senken so die Notwendigkeit für eine flächendeckende, teure Sensorinstallation.
  • Unsere Algorithmen entstehen nicht in der Theorie, sondern werden unter härtesten, realitätsnahen Bedingungen entwickelt und validiert. In unserer weltweit einzigartigen WanDa (Wandlungsfähige Druckluft-Forschungsanlage) integrieren wir Prototypen in eine industrienahe Testumgebung, um deren Nutzen in reproduzierbaren Szenarien zu bewerten.

    In unserer Demonstrationsanlage strömt die Druckluft wahlweise durch intakte Schläuche oder durch solche mit kaum sichtbaren Löchern, Knicken und undichten Verbindungsstücken – den häufigsten Leckageursachen in der Industrie. Welchen Weg die Druckluft auch nimmt, für das bloße Auge macht das keinen Unterschied: Die Aktoren verrichten weiter ihren Dienst.

    Doch unser System misst präzise, was unsichtbar bleibt: Es erfasst, ob die Luft mit mehr oder weniger Druck strömt, ermittelt den Durchfluss, die Position der Aktoren, den Zustand der Ventile und nimmt sogar Ultraschallsignale auf. Mit bis zu 20 einzeln ansteuerbaren Aktoren simulieren wir komplexe industrielle Lastprofile und generieren mit Abtastraten von bis zu 100 Hz eine immense Datenmenge von bis zu 300 GB pro Betriebstag. Dieser riesige und hochqualitative Datenschatz ist die Grundlage für die Entwicklung von KI-Modellen, die auch in Ihrem komplexen industriellen Umfeld zuverlässig und präzise funktionieren.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Energiemonitoring und NILM

Wie groß ist das Einsparpotenzial durch Leckageerkennung?

Studien und unsere Projekterfahrung zeigen, dass Leckagen zwischen 15 % und 60 % der erzeugten Druckluft ausmachen. Durch konsequente, KI-gestützte Erkennung können bis zu 30 % des gesamten Energiebedarfs von Druckluftanlagen eingespart werden, was sich oft in fünfstelligen Euro-Beträgen pro Jahr niederschlägt.
 

Warum ist kontinuierliches Monitoring besser als periodische Inspektionen?

Periodische, manuelle Inspektionen finden Lecks oft erst nach Wochen oder Monaten. In der Zwischenzeit verursachen sie kontinuierlich hohe Energiekosten. Eine automatisierte 24/7-Überwachung erkennt Undichtigkeiten sofort, ermöglicht eine schnelle Reparatur und verhindert so langfristige Verluste.
 

Wie funktioniert ein Physics-Informed Neural Network (PINN) für die Leckageortung?

PINNs sind ein hybrider Ansatz. Sie lernen nicht nur aus den Messdaten, sondern integrieren zusätzlich die physikalischen Gleichungen der Strömungsmechanik (z.B. Energie- und Impulserhaltung) in ihre Verlustfunktion. Dadurch kann das Modell mit nur wenigen Messpunkten die Druck- und Durchflussdynamik im gesamten Netz simulieren, Abweichungen von der Physik als Leckage identifizieren und so den Ort präzise eingrenzen.
 

Welche Sensoren werden benötigt?

Die Basis bilden in der Regel bereits vorhandene Druck- und Durchflussmesser in den Haupt- und Verteilleitungen. Auch die Stromaufnahme des Kompressors liefert wertvolle Informationen. Je nach Anforderung und gewünschter Lokalisierungsgenauigkeit wird dieses Setup bei Bedarf gezielt um wenige weitere Sensoren ergänzt.
 

Eignet sich die Technologie auch für kleine und mittelständische Betriebe?

Ja, absolut. Gerade weil Leckverluste oft unbemerkt hohe Kosten verursachen, amortisieren sich die Investitionen schnell. Unsere modernen Algorithmen können primär mit vorhandenen Messdaten arbeiten, und die modulare Skalierbarkeit von Sensorik und Software ermöglicht eine kostengünstige und schrittweise Umsetzung.

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