Für Industrieunternehmen wird der Strompreis zunehmend zu einer operativen Steuerungsgröße. Wer Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur, Wärme- und Kälteanlagen oder andere flexible Verbraucher betreibt, kann Lasten grundsätzlich in Zeiten niedriger Strompreise verschieben. In der Praxis ist das jedoch anspruchsvoll: Die günstigen Zeitfenster müssen rechtzeitig vorher erkannt werden, technische Restriktionen der Anlagen müssen eingehalten werden und die Entscheidung muss zuverlässig genug sein, um nicht am Ende höhere statt niedrigerer Kosten zu verursachen.
Genau an dieser Stelle setzen Forschende des Fraunhofer IPA an. Sie haben im Rahmen des Kopernikus-Projekts »SynErgie« eine KI-basierte Strompreisprognose entwickelt und in einer umfangreichen Validierung untersucht, wie gut sie sich für die Steuerung flexibler Lasten eignet. Als Vergleich diente ein marktverfügbarer kommerzieller Prognosedienst für die Strompreise am Folgetag. Ausgewertet wurden mehr als 20 000 Zeitpunkte im Zeitraum von Oktober 2025 bis Mai 2026.
»Für Unternehmen zählt nicht die schönste Prognosekurve, sondern der Nutzen im Betrieb. Wenn eine flexible Last, ein Speicher oder eine Ladeinfrastruktur zum falschen Zeitpunkt läuft, entstehen reale Mehrkosten. Deshalb bewerten wir nicht nur statistische Prognosefehler, sondern auch, ob ein Modell die günstigen und teuren Zeitfenster zuverlässig erkennt«, sagt Can Kaymakci, Leiter des Forschungsteams Datengetriebene Energiesystemoptimierung am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. »Am Ende zählt eine einfache Frage: Wird die Anlage im richtigen Zeitfenster gefahren oder nicht? Genau dort entscheidet sich, ob dynamische Strompreise wirklich einen wirtschaftlichen Vorteil bringen.«