Start-ups: Gründen am Fraunhofer IPA

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Gründergeist für Spitzentechnologien

Die Fraunhofer-Gesellschaft unterstützt gezielt gute Ideen als Basis für eine wettbewerbsfähige Industrie. Weiterhin fördert sie institutsnahe Unternehmungsgründungen. Um diesen Spin-Offs bestmöglich zur Seite zu stehen, bietet das Fraunhofer IPA mit Unterstützung von Fraunhofer Venture eine Palette an Dienstleistungen an.

Dazu zählen eine umfassende Betreuung – von der Idee bis zum Exit – durch juristische und betriebswirtschaftliche Gründungsexperten, interne Fördermöglichkeiten, Zugang zu Seed-Kapital sowie ein starkes Netzwerk in die Industrie, die Gründer- und Venture Capital-Szene.

Ausgründungen stellen also einen weiteren Karriereweg am Fraunhofer IPA dar. Hier findest Du ein paar Beispiele von Start-Ups mit ehemaligen Mitarbeitenden unseres Instituts, die sich bereits mit einer Forschungsidee selbstständig gemacht haben.

Bist Du bereit, deine Forschungsidee gemeinsam mit uns voranzutreiben, um sie dann professionell auszugründen?

Einige unserer Start-Ups

Skinmade

Personalisierte Hautcreme aus der Minifabrik

plus 10

Optimierungswerkzeuge für Produktionsanlagen

Vibrosonic

Hörkontaktlinse fürs Trommelfell

Mojin Robotics

Service-Assistant für alle Lebenslagen

Mecuris

Prothesenherstellung durch 3D-Druck

HNP Mikrosysteme

Präzise Pumpen, smarte Lösungen

Beschreibung

plus10.ai ermöglicht eine automatisierte und kontinuierlich lernende Optimierung von komplexen verketteten Fertigungs- und Montageanlagen in Echtzeit. Alle identifizierten Problemursachen und zugehörigen Optimierungsmaßnahmen werden direkt dem verantwortlichen Personal vorgeschlagen, erklärt, dokumentiert und wirken somit kontinuierlich auf die OEE.

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Thema, Ziele, Instrumentarium und Anwendungen

plus10.ai ist ein Fraunhofer IPA Spinoff zur automatisierten Produktionsoptimierung. Wir bieten selbstlernende Optimierungssoftware speziell für vollautomatisierte und komplexe Maschinen und Anlagen der Stückgüterindustrie primär für die Konsumgüter-, Medizin-, Pharma- und Automobilbranche. Unsere Expertise fußt auf Forschungs- und Entwicklungsergebnissen, die wir seit 2014 anwendungsnah am Fraunhofer IPA in Stuttgart im Bereich »Autonome Produktionsoptimierung« erarbeitet haben. Unsere KI-basierten Algorithmen finden kontinuierlich die Ursachen von Stopps und Störungen im Produktionsablauf. Dies basiert auf der Nutzung hochfrequenter Signaldaten aller beteiligten Maschinensteuerungen. Hierdurch erklären und reduzieren wir primär Kurzstopps, Verkettungsverluste und die Fehlersuchzeit beim Auftreten von technischen Problemen (Mean-time-to-repair). In verschiedenen Branchen konnten wir so die Effektivität von komplexen Fertigungs- und Montageanlagen im Schnitt um plus 10% steigern.

Welche Fach- und Kompetenzgebiete vereint dieses eine Start-Up in sich?

plus10 vereint Knowhow aus Automatisierungs- und Steuerungstechnik, Softwareentwicklung, Machine Learning, Big Data und Data Science sowie Betriebs- und Kommunikationsmanagement.

Welche möglicherweise verschiedenen namentlichen Fachbereiche des IPA haben dabei zusammengearbeitet?

Die Gründer von plus10, Felix Georg Müller, Thomas Hilzbrich kamen aus der Gruppe »Autonome Produktionsoptimierung«, Pablo Mayer arbeitete im Bereich Automatisierungs- und Steuerungstechnik .

In welchen Schritten kam es zur Idee für das Start-Up?  

Die Idee zur Ausgründung mit lernenden Algorithmen für komplexe Produktionsanlagen entstand nicht von jetzt auf gleich, sondern war das Ergebnis aus vielen kleinen Forschungsergebnissen, Erfolgen, Rückschlägen und vor allem dem Zusammentreffen von Menschen mit Begeisterung für komplexe Automatisierungs- und Produktionstechnik und deren stetige Optimierung im Betrieb. Gemeinsam setzten wir uns zum Ziel, Unternehmen dabei zu unterstützen, auch technisch hoch komplexe Produktionsanlagen jederzeit maximal produktiv betreiben zu können. Eine Person alleine kann kein erfolgreiches Unternehmen gründen, somit ist es immer das Zusammenspiel aus Menschen, Markt und Technologieentwicklung, die sich in unserem Fall über die letzten zwei Jahre vor der Ausgründung immer weiter gefestigt hat.

Wie wurde das Start-Up nach und nach initiiert/vorbereitet/vollzogen?

Durch Feedback zu unseren entwickelten und teils patentierten Verfahren aus Pilotanwendungen konnten wir unsere KI-Tools immer weiter verbessern und an die Besonderheiten der produzierenden Industrie anpassen. Knapp zwei Jahre hat es schließlich gedauert, bis aus der Startup-Idee das heutige Fraunhofer-Spinoff wurde.  Gemeinsam haben wir nach mehreren Pilotanwendungen unserer Optimierungssoftware dann im Januar 2019 die plus10 GmbH gegründet und das bis dahin entwickelte IP, den Softwarestack sowie Marken- und Patentrechte exklusiv von Fraunhofer an die eigene Firma auslizenziert bekommen.

Beschreibung

Vibrosonic ist im Bereich der Medizintechnik tätig. Unsere Kernertechnologie ist die Vibrosonic Hörkontaktlinse® die direkt auf dem Trommelfell getragen wird. Durch Stimulation des Trommelfells wird so bei Hörgeschädigten der natürliche Hörprozess angeregt.

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Thema, Ziele, Instrumentarium und Anwendungen

Wir sind in der Medizintechnikbranche tätig und haben eine Hörkontaktlinse® entwickelt, die auf einem neuartigen piezoelektrischen Mikrolautsprecher basiert. Er ist der weltweit erste Hörgerätelautsprecher, der mittels Mikrosystemtechnik gefertigt wird und dabei so klein und leicht ist, dass er direkt auf dem Trommelfell getragen werden kann. Die Hörkontaktlinse ist kein Implantat. Das Einsetzen durch einen Arzt erfordert nur wenige Arbeitsschritte.
Beim natürlichen Hören trifft der Schall am Ende des Gehörgangs auf das Trommelfell und versetzt es in Schwingung. Die Hörkontaktlinse funktioniert nach dem gleichen Prinzip: anstelle von Lautsprechern im Ohr, die den Klang verstärken, erfolgt die Klangübertragung durch direkte mechanische Stimulation des Gehörs. So können sehr tiefe und besonders hohe Töne verstärkt und störende Geräusche durch Rückkopplungen prinzipbedingt weitgehend vermieden werden.
Unser Ziel ist es, das erste unsichtbare Hörgerät auf Basis unserer Kerntechnologie zu entwickeln.

Welche Fach- und Kompetenzgebiete vereint dieses eine Start-Up in sich?

Unsere Mitarbeiter haben i. d. R. ein Studium des Maschinenbaus, der Mechatronik oder der Medizintechnik absolviert. Vertiefungen in der Mikrosystemtechnik, Sensorik, technischen Optik oder Regelungstechnik und Informationstechnik runden unsere Kompetenzgebiete ab.

Welche möglicherweise verschiedenen namentlichen Fachbereiche des IPA haben dabei zusammengearbeitet?

Die Fachbereiche Medizin- und Biotechnik, sowie Elektronik und Mikrosystemtechnik haben dabei zusammengearbeitet.

In welchen Schritten kam es zur Idee für das Start-Up?  

Die Idee zur Hörkontaktlinse entstand in einer Forschungskooperation zwischen der Uniklinik Tübingen, dem Fraunhofer IPA, auric Hörsysteme und weiteren Partnern. Das eigentliche Thema dieser Forschungszusammenarbeit, die Untersuchung eines implantierbaren Hörgeräts, resultierte in der Entwicklung eines neuartigen Hörgerätelautsprechers. Wir fanden heraus, dass der Lautsprecher nicht nur für implantierbare Hörlösungen geeignet ist, sondern auch als Nicht-Implantat direkt auf dem Trommelfell zum Einsatz kommen kann. So entstand unsere Vision, eine neue Hörgerätegeneration zu erschaffen.

Wie wurde das Start-Up nach und nach initiiert/vorbereitet/vollzogen?

Die grundlegenden Forschungsarbeiten zur Hörkontaktlinse erfolgten zwischen 2008 und 2014. Ab 2014 begannen die Vorbereitungen zur Ausgründung, unterstützt durch die Venture-Gruppe der Fraunhofer Gesellschaft (Zentrale in München), sowie externes Gründercoaching, u. a.  durch folgende Förderprogramme:

  • Förderprogramm FFE: Fraunhofer Fördert Entrepreneure
  • Förderprogramm FFM: Fraunhofer Fördert Management
  • Förderprogramm EXIST-Forschungstransfer des BMWi: Ausgründungen aus der Wissenschaft
Die Gründung der Vibrosonic GmbH erfolgte am 29.02.2016