Schweißbare UV-Lacke für PVC-Folien

© Adobe Stock 2026

In Kürze

PVC-Folien werden häufig mit Decklacken vor chemischen, mechanischen und Umwelteinflüssen geschützt. UV-Lacke schieden hierfür bisher aus, weil die dreidimensionale Vernetzung einer UV-Lackschicht das Schweißen der Folien nahezu unmöglich macht. Ein Forschungsprojekt sollte dieses Problem durch UV-Lacke mit eingebauten Retro-Diels-Alder-Gruppen (RDA) als »thermischem Reißverschluss« lösen.

Innovative UV-Lacke für mehr Schutz und bessere Weiterverarbeitung

PVC-Folien aus Weich-PVC werden in Anwendungen mit hohen Anforderungen an die Langzeit- und Medienbeständigkeit eingesetzt – etwa als LKW-Planen, Abdeckungen, Werbeflächen oder Swimmingpool-Beläge. Um sowohl die Folien selbst als auch aufgebrachte Drucke oder Dekore dauerhaft vor Abrieb, Chemikalien und Witterungseinflüssen zu schützen, kommen Decklacke zum Einsatz. UV-Lacke wären dafür die bevorzugte Wahl, da sie:

  • lösemittelfrei sind.
  • besonders beständig gegenüber Chemikalien und mechanischen Einflüssen sind und
  • schnell, energieeffizient und mit geringem Flächenbedarf verarbeitet werden können.

Aber es existiert ein Problem: UV-Lacke verhindern das thermische Schweißen!

Die Weiterverarbeitung von PVC-Folien erfolgt mittels Schweißen – meist durch handwerkliche Betriebe. Voraussetzung hierbei sind thermoplastische Eigenschaft in der Fügezone. Doch hier entsteht ein Zielkonflikt: UV-Lacke härten dreidimensional aus und sind anschließend nicht thermoplastisch. Folienhersteller greifen daher auf lösungsmittelhaltige, physikalisch trocknende Lacke zurück – obwohl diese weniger beständig, umweltbelastender und ineffizienter sind.
 

Projektidee: Reversibel lösbare UV-Lacke mit RDA-Technologie

Im Verbundprojekt »Schweißbare UV-Lacke mit reversibel lösbaren kovalenten Bindungen zur Anwendung auf PVC-Folien« wurde eine neuer Lösungsweg erprobt: UV-Lacke mit Retro-Diels-Alder-(RDA-)Gruppen.

Funktionsprinzip der RDA-Gruppen:

  • Unter Wärmeeinwirkung spalten sich die kovalenten Bindungen.
  • Beim Abkühlen werden sie zurückgebildet.
  • Dieses Prinzip ist aus selbstheilenden Beschichtungen bekannt.
  • Im Projekt sollte es als »thermischer Reißverschluss« dienen, um UV-Härtung und Schweißbarkeit in Einklang zu bringen.

Projektergebnisse

1. Herstellung & Formulierung der Lacke

Die Herstellung und Verarbeitung der RDA-Gruppen enthaltenden Bestandteile (Linker) war zunächst von Stabilitätsproblemen und Vergelungserscheinungen begleitet. Zudem traten bei der Aushärtung der UV-Lacke thermische Verformungen der dünnen PVC-Folien im UV-Strahlerfeld auf.

  • Beide Herausforderungen konnten erfolgreich gelöst werden.

2. Bestätigung der Selbstheilungsfähigkeit

Die selbstheilenden Eigenschaften der Lacke ließen sich nachweisen – solange geeignete Formulierungen verwendet wurden und die Beschichtungen nicht zu hohen Temperaturen ausgesetzt waren.

3. Schweißbarkeit: Fortschritte & Grenzen

Bei den für das thermische Fügen notwendigen Temperaturen kam es zu unerwünschten Nebenreaktionen, die zu Nachvernetzung führten.

  • Dadurch konnte die angestrebte Schweißbarkeit mittels RDA-Technologie nicht erreicht werden.

4. Überraschender Befund: Schweißbarkeit auch ohne RDA möglich

Die Schweißversuche zeigten jedoch: PVC-Folien mit UV-Lackbeschichtung können grundsätzlich schweißbar sein, wenn die Beschichtung in der Fügezone unter mechanischer und thermischer Belastung teilweise verdrängt wird.

  • Dies konnte an mehreren Systemen sowohl mit als auch ohne RDA-Gruppen gezeigt werden.
     

Wege zu schweißbaren, UV-gehärteten Folienbeschichtungen

Das Projekt zeigt klar:

  • UV-Lacke können trotz dreidimensionaler Vernetzung schweißbar verarbeitet werden.
  • Hierfür sind optimierte Prozess- und Formulierungsparameter (sowohl hinsichtlich der Schweißtechniken und -parameter als auch der Lackzusammensetzung) erforderlich.
  • RDA-basierte Systeme werden hierfür nicht benötigt und erscheinen infolgedessen aufgrund hohen Aufwandes auch nicht zielführend.

Damit wird der Weg frei für umweltfreundliche, effizient härtende und gleichzeitig schweißbare UV-Lackbeschichtungen für vielfältige PVC-Folienanwendungen.

Mehr Infos zum Projekt im Fachartikel »Schweißbarkeit von UV-gehärteten Folienbeschichtungen«

Einblicke ins Projekt

© SKZ/Vincentz Verlag
Dünnschnitte von lackierten, verschweißten Folienproben. PVC-Folie: dunkle Bereiche UV-Lackschichten: helle, teilweise perforierte Bereiche in der Mitte (Beispiele).
© Leibnitz IPF
Retro-Diels-Alder-Reaktion im Bereich eines im Polymernetzwerk eingebundenen Linkers mit einer RDA-Gruppe (schematisch)
© Fraunhofer IPA
Erste und zweite DSC-Aufheizkurven einer UV-gehärteten Beschichtung mit RDA-Gruppen (Doppelproben) zeigen, dass die RDA-Reaktion beim zweiten Heizlauf nur noch schwach ausfällt.

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