Silberfreie antimikrobielle Pulverbeschichtungen

© Fraunhofer IPA und MS CoPilot

In Kürze

Entwicklung silberfreier, antimikrobieller Pulverbeschichtungen für industrielle Anwendungen – mit dem Ziel, eine hohe bakterielle Reduktion mit stabiler Materialperformance und nachhaltigen Additivsystemen zu kombinieren.

Im Detail

Nachhaltige Funktionsbeschichtungen für die industrielle Materialentwicklung

Antimikrobielle Beschichtungen gewinnen in vielen Industriebereichen an Bedeutung. Gleichzeitig geraten silberhaltige Additive aufgrund von Kosten, regulatorischer Bewertung und ökologischer Aspekte zunehmend unter Druck. Das Projekt des Fraunhofer IPA adressiert genau diese Herausforderung und zeigt einen silberfreien Entwicklungsansatz für antimikrobielle Pulverlacke, der sich gezielt an Lack- und Beschichtungsmaterialhersteller richtet.

 

Kurzüberblick:

  • Silberfreie antimikrobielle Funktion
  • Einsatz nachhaltiger, biobasierter Additive
  • Geeignet für Epoxid- und Polyesterpulverlacke
  • Industriell relevante Material- und Prozesseigenschaften bleiben erhalten

 

Ausgangslage: Neue Anforderungen an antimikrobielle Pulverlacke

In industriellen Anwendungen mit erhöhten Hygieneanforderungen werden Pulverbeschichtungen eingesetzt, die dauerhaft wirksam, mechanisch stabil und prozesssicher sein müssen. Klassische antimikrobielle Systeme basieren häufig auf Silberadditiven. Diese bringen jedoch mehrere Herausforderungen mit sich:

  • hohe Materialkosten
  • steigende regulatorische Unsicherheiten
  • mögliche langfristige Umweltwirkungen

Für die Beschichtungsindustrie ergibt sich daraus die Fragestellung, wie antimikrobielle Funktionen ohne metallische Wirkstoffe realisiert werden können, ohne bewährte Pulverlacksysteme grundlegend zu verändern.

 

Ziel des Projekts

Ziel des Projekts war die Entwicklung silberfreier Pulverbeschichtungssysteme mit integrierter antimikrobieller Wirkung, die sich in bestehende industrielle Formulierungen integrieren lassen.

 

Im Fokus standen:

  • nachhaltige, biobasierte Additivsysteme
  • Erhalt von Haftung, mechanischer Stabilität und Prozessstabilität
  • systematische Bewertung der Wirksamkeit und Materialperformance

 

Entwicklungs- und Technologieansatz

Silberfreie Additivsysteme

Das Projektteam identifizierte und modifizierte geeignete Additive, die eine antimikrobielle Wirkung ohne Silber ermöglichen. Dabei standen folgende Aspekte im Mittelpunkt:

  • thermische Stabilität unter Pulverlack-Einbrennbedingungen
  • gleichmäßige Einbindung in die Pulverlackmatrix
  • Kompatibilität mit gängigen Bindemittelsystemen

 

Integration in Pulverlacksysteme

Die Additive wurden gezielt in Epoxidpulverlacke sowie Polyesterpulverlacke integriert und unter praxisnahen Bedingungen untersucht. Die antimikrobielle Funktion ist dabei Bestandteil der Beschichtung und keine nachgelagerte Oberflächenbehandlung.

 

Prüf- und Bewertungsstrategie

Um die industrielle Relevanz sicherzustellen, wurden neben der antimikrobiellen Wirksamkeit auch zentrale Material- und Schichteigenschaften untersucht:

  • mikrobiologische Prüfungen zur bakteriellen Reduktion
  • elektrochemische Impedanzspektroskopie (EIS) zur Bewertung der Barriereeigenschaften
  • Bestimmung der Wasseraufnahme
  • Haftfestigkeitsprüfungen
  • Untersuchung mechanischer Kennwerte

Diese ganzheitliche Betrachtung stellt sicher, dass antimikrobielle Funktion und Beschichtungsperformance zusammen gedacht werden.

 

Projektergebnisse

Die entwickelten silberfreien, biofunktionalisierten Pulverbeschichtungssysteme zeigen eine hohe antimikrobielle Wirksamkeit bei gleichzeitig stabilen Barriere- und Haftungseigenschaften.

Darüber hinaus belegen die Untersuchungen:

  • Die antimikrobielle Funktion ist dauerhaft in die Beschichtung integriert und beeinträchtigt die Schichtperformance nicht.
  • Barrierewirkung, Haftung und mechanische Eigenschaften bleiben auf industriell relevantem Niveau erhalten.
  • Die Technologie ist auf industrielle Applikations- und Einbrennprozesse übertragbar.

Damit stellt der Ansatz eine nachhaltige Alternative zu metallbasierten Biozidsystemen dar – insbesondere für funktionale Bauteile im Objekt- und Industriebereich. Die Ergebnisse liefern eine belastbare Grundlage für die Weiterentwicklung und Skalierung nachhaltiger antimikrobieller Funktionsbeschichtungen.

 

Nutzen für Lack- und Beschichtungsmaterialhersteller

Für Industriepartner aus der Beschichtungsmaterialentwicklung ergeben sich mehrere Vorteile:

  • Zugang zu einem silberfreien, zukunftsfähigen Wirkprinzip
  • Reduziertes regulatorisches Risiko bei antimikrobiellen Funktionen
  • Anschlussfähiger Entwicklungsansatz für bestehende Pulverlackplattformen
  • Unterstützung bei Systemanpassung, Skalierung und Performancebewertung

 

Anwendungs- und Entwicklungspotenziale

Die entwickelten Ansätze sind insbesondere relevant für:

  • industrielle Anwendungen mit erhöhten Hygieneanforderungen
  • Maschinen- und Anlagenkomponenten
  • funktionale Metalloberflächen in Produktionsumgebungen

Darüber hinaus bildet das Projekt eine Plattform für weitere nachhaltige Funktionsbeschichtungen.

 

Kooperationsmöglichkeiten

Das Fraunhofer IPA bietet Industriepartnern an:

  • gemeinsame Weiterentwicklung silberfreier Pulverlacksysteme
  • Additiv- und Formulierungsscreenings für spezifische Anwendungen
  • Machbarkeitsstudien und Demonstratoren
  • begleitende Material- und Schichtcharakterisierung

 

Sprechen Sie mit uns!