Studie erhebt Wirksamkeit von Energieaudits

Energieaudits bringen viel zu wenig

Mediendienst Juli 2016 / 21.7.2016

Im Rahmen einer großangelegten Markterhebung zu Energiedienstleistungen ist Anfang Juli eine erste Auswertung zur Wirksamkeit von Energieaudits fertiggestellt worden. Die Studie wurde gemeinsam vom Institut für Energieeffizienz in der Produktion EEP der Universität Stuttgart, dem Fraunhofer IPA, der Beuth Hochschule Berlin und der DEnBAG durchgeführt. Das Ergebnis: Energieaudits halten längst nicht, was sich die Regierung versprochen hatte, als sie die großen Unternehmen im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz NAPE gesetzlich dazu verpflichtete.

Die nun veröffentlichte Erhebung ist ein Frühindikator für die Effizienz des Werkzeugs Energieaudit im Rahmen des NAPE. Sie basiert auf einer Online-Befragung von 3270 Energieauditoren im April 2016. Daraus konnten 384 vollständige Datensätze gewonnen werden.

Wird die im Gesetzesentwurf genannte Zahl von 50 000 auditpflichtigen Unternehmen zugrunde gelegt, so wird laut der Studie das NAPE-Ziel zurzeit um mehr als 50 Prozent unterschritten. Der Grund: Es werden nur relativ geringe Potenziale von den Beratern in den Unternehmen gefunden. Darüber hinaus schätzen die Berater, dass die Umsetzungsquote vorgeschlagener Maßnahmen deutlich unter einem Drittel liegt. Ist das Konzept also gescheitert? Der Beitrag von Energieaudits zur Erfüllung der Energieeffizienzziele ist im NAPE mit 50,5 Petajoule (PJ) im Jahr 2020 festgeschrieben. Auf Basis der Studie ergibt sich ein obere Abschätzung der Einsparung in Höhe 22,6 PJ.

Die meisten Potenziale für mehr Effizienz sehen die Auditoren bei der Beleuchtung, der Heizung und elektrischen Verbrauchern. Die voraussichtlich zu erzielenden Einsparungen haben jedoch einen hohen Preis. Allein die Durchführung der Audits wird die Unternehmen etwa 374 Mio Euro kosten. Gespart werden können über alle Unternehmen hinweg jedoch nur etwa 250 Mio Euro. Das NAPE-Ziel ist eine Gesamteinsparung von 776 Mio Euro Energiekosten, also etwa dem Doppelten der Auditkosten. Bei dieser Betrachtung sind die notwendigen Investitionen jedoch noch nicht berücksichtigt. »Die Auditpflicht ist als Tiger abgesprungen – landen wird sie mit Glück als Hauskatze«, kritisiert Prof. Alexander Sauer, der Leiter des EEP. »Die gesetzliche Regelung bringt mit der aktuellen Umsetzungsperformance nicht einmal die Hälfte der erwarteten Einsparungen. Das muss sich dramatisch ändern.«

Was könnte die Lösung sein? Die Untersuchung hat ergeben, dass sehr viel Zeit für die Datenerhebung verwendet wird. Diese fehlt bei der Identifikation von Maßnahmen zur Effizienzsteigerung. Die Energieauditoren haben außerdem angegeben, dass nicht eindeutige Regelungen zu Detailfragen und fehlende Musterberichte zu qualitativ unterschiedlichen Audits führten. Auch die fehlende Umsetzungsverpflichtung der identifizierten Potenziale wurde bemängelt.

»Die Auditoren sollten bessere Schulungen erhalten«, so Prof. Bernd Bungert von der Beuth Hochschule. »Die Audits führen damit zu deutlich mehr identifizierten Einsparpotenzialen und höheren Einsparungen. Werkzeuge und Methoden der Audits werden bisher nicht immer optimal eingesetzt.« Sauer rät den Verantwortlichen, sie sollten die verbleibende Zeit bis zur nächsten großen Audit-Welle nutzen, um das System zu verbessern.