Der Stuttgarter Oberflächentechnik-Preis »DIE OBERFLÄCHE«, wurde am 5. Mai 2026 auf der Surface Technology Germany vom Fraunhofer IPA vergeben. Zum zehnten Mal zeichnet der Preis die innovativsten Anwendungen und Technologien in der Oberflächentechnik aus.
SLCR Lasertechnik GmbH und Dörken Coatings GmbH & Co. KG
LAMA – laserbasierte Reinigung von metallischem Massenschüttgut (z. B. Schrauben, Muttern, Clips) in einem Prozessschritt.
Das laserbasierte System reinigt metallisches Massenschüttgut in einem einzigen Schritt und bereitet die Teile für die anschließende Zink-Lamellen-Beschichtung im Dip-Spin-Verfahren oder für den galvanischen Prozess vor. Verunreinigungen wie Öle, Fette und Oxidschichten werden dabei durch energieeffiziente Laserbearbeitung im Schüttgutverfahren entfernt.
Die Technologie bietet eine vollständig neue Alternative zur bisherigen Oberflächenvorbereitung: LAMA ersetzt den kombinierten Einsatz aus chemischer Reinigung und mechanischem Strahlen vielfach vollständig. Ein einziger Prozessschritt genügt – das ermöglicht erhebliche Einsparungen bei Energie und CO₂-Emissionen. Die Jury überzeugte vor allem die Kombination aus Umweltfreundlichkeit, Prozessvereinfachung und wirtschaftlicher Skalierbarkeit.
Geschäftsführer Steffen Niehaus und Jonas Körfer (SLCR Lasertechnik GmbH) sowie René Rother (Dörken Coatings GmbH & Co. KG) nahmen die Auszeichnung auf dem Fachforum der Surface Technology Germany 2026 entgegen. Das LAMA-Verfahren steht exemplarisch für den Anspruch des Preises: Innovationen auszuzeichnen, die in der industriellen Praxis unmittelbar wirksam werden und dabei Ressourcen schonen.
BIA Kunststoff- und Galvanotechnik GmbH & Co. KG
Remap – hochwertige Class-A-Hochglanzoberflächen aus Kunststoffrezyklaten für die dekorative Galvanik.
Bislang scheiterte der Einsatz von Rezyklaten in der Kunststoffgalvanik häufig an schwankender Materialqualität, Haftungsproblemen und sichtbaren Defekten. Remap löst diese Herausforderung durch ein mehrstufiges, rein mechanisches Recyclingverfahren, das hohe Sortenreinheit sowie kontrollierte Materialeigenschaften sicherstellt.
Das Verfahren trennt galvanisierte Ausschussteile in Kunststoff- und Metallfraktionen, bereitet das Material auf und führt es als galvanisierbares ABS-Rezyklat zurück in den Produktionsprozess.
Die Fachjury würdigte mit dem Remap-Konzept eine Technologie, die den Weg zu einer zirkulären Galvanotechnik auf Premiumniveau öffnet und damit einen konkreten Beitrag zur Kreislaufwirtschaft in der Oberflächentechnik leistet
Enayati Oberflächentechnik GmbH
Elektrische Kontakte bei Dauertemperaturen oberhalb von 150 °C waren bislang nur mit Gold zuverlässig realisierbar. Silberbasierte Kontaktoberflächen scheiterten häufig an unzureichender Haftung und thermischer Alterung bei längerfristiger Belastung. AgTherm überwindet diese Grenze durch ein neuartiges, industriell skalierbares Schichtkonzept.
Die Technologie wurde in seriennahen Mustern extern validiert und in umfangreichen Vergleichsuntersuchungen gegenüber etablierten Verfahren erfolgreich getestet. In Langzeituntersuchungen eines führenden Automobil-OEMs erfüllte ausschließlich das AgTherm-System sämtliche Anforderungen.
Neben neuen Hochtemperatur-Applikationen in Leistungselektronik, E‑Mobility und Energietechnik ermöglicht die Technologie erstmals eine wirtschaftliche Alternative zu Hartgold und führt zu einer deutlichen Reduktion des CO2-Fußabdrucks.
Die Fachjury würdigte mit AgTherm eine Innovation, die einen klaren Innovationssprung gegenüber dem Stand der Technik, wirtschaftliche Skalierbarkeit und einen messbaren Beitrag zur Ressourceneffizienz vereint.
Die eingereichten Bewerbungen kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Oberflächentechnik. Schon die große Vielfalt an entwickelten Systemen, Prozessen und Anwendungen zeigt, wie viel Innovation in der Beschichtungsbranche steckt. Gesucht wurden Technologien, die an der Oberfläche beginnen – und die Industrie verändern.
Nach dem Bewerbungsschluss Anfang März 2026 tagte die Jury, bestehend aus Experten der Oberflächentechnik, Dr.-Ing. Martin Metzner, Geschäftssegmentleiter, Fraunhofer IPA, Dr. Martin Riester, VDMA »Oberflächentechnik«, Dr. Michael Hilt, Forschungsgesellschaft für Pigmente und Lacke e.V. Bewertet wurde nach vier zentralen Kriterien
WOMag ist die Fachzeitschrift für Fachleute entlang der Prozesskette von Design und Konstruktion über Werkstoffbe- und -verarbeitung bis zur abschließenden Oberflächenbehandlung des Produkts.
Der Name SurfaceTechnology GERMANY steht für das gesamte Spektrum der Oberflächentechnik und spiegelt damit exakt das wider, was die Aussteller der Messe alle zwei Jahre an drei Tagen im Juni in Stuttgart präsentieren.
Der ZVO vertritt die Interessen von Roh- und Verfahrenschemielieferanten, Anlagenherstellern, Komponentenherstellern, Dienstleistern, Beschichtern und Galvaniken der deutschen Galvano- und Oberflächentechnik.