Technologie-Plattform Stuttgart Exo-Jacket

Mit mehr als 25% aller krankheitsbedingten Fehltage sind Muskel-Skelett-Erkrankungen der erste Grund für Arbeitsausfall in Deutschland und den anderen industrialisierten Ländern. Hauptursache dafür sind unergonomische Arbeitsbedingungen, wie das Arbeiten in körperlich anstrengenden Haltungen oder das Heben und Tragen von schweren Gegenständen, was ein Viertel der Erwerbstätigen betrifft. Seit 2015 forscht und entwickelt die Abteilung Biomechatronische Systeme an Methoden und Lösungsansätzen zur Realisierung effektiver und praktikabler technischer Lösungen für die Unterstützung von Werkern bei schwerer körperlicher Arbeit.
In diesem Kontext entstand die Technologie-Plattform Stuttgart Exo-Jacket, ein modulares Exoskelett, das für die aktive Unterstützung der oberen Extremitäten bei manuellen Handhabungstätigkeiten, beispielsweise beim Anheben, Halten und Tragen von schweren Lasten konzipiert ist. Seine Entwicklung wird durch ein interdisziplinäres Team vorangetrieben, dessen Kompetenzen sowohl technische (Mechanik, Antriebstechnik, Sensorik, Relegungstechnik) als auch humanzentrierte (Biomechanik, Ergonomie, Komfortengineering, Medizin) Bereiche abdecken.

Unser aktuelles System, das Stuttgarter Exo-Jacket 2, zielt hauptsächlich auf Anwendungen in der Logistik ab, für die Handhabung von Lasten im Bereich zwischen Knie- und Schulterhöhe. Eigebaute Antriebsmodule unterstützen dabei aktiv die Streckung und Beugung der Ellenbogen- und Schultergelenke, während weitere passive Freiheitsgrade an Schulter und Unterarm es ermöglichen, die oberen Gliedmaße nahezu ohne Einschränkungen durch das Exoskelett bewegen zu können. Aktuell wird die Kraftunterstützung für jeden Arm mit einem kleinen Druckschalter in der Hand des Trägers aktiviert. Zukünftig soll die Bedienung noch intuitiver werden, indem das Exo-Jacket die Nutzerintentionen automatisch erkennt, u.a. durch die Erfassung und Interpretation von Biosignalen des Trägers.

 

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