Embodied AI in der Industrie: KI in Maschinen, die wahrnimmt, lernt und handelt

 

Geschäftsführender Institutsleiter

Prof. Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl

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»Wenn wir unsere Stärken in Mechanik und Materialwissenschaft mit KI verbinden, können wir nicht nur aufholen, sondern führen.« 

Prof. Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl, Geschäftsführender Institutsleiter

Interview mit Prof. Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl zu den Potentialen von Embodied AI für die deutsche Industrie

Was ist Embodied AI und warum ist sie für industrielle Maschinen entscheidend?

Embodied AI steht für eine neue Generation Künstlicher Intelligenz, die nicht nur Daten verarbeitet, sondern durch direkte physische Interaktion mit der realen Welt lernt und handelt. Basierend auf der Embodiment-Hypothese, echte Intelligenz kann nur durch Verkörperung und situierte Erfahrung entstehen, wollen wir autonome Systeme für industrielle Prozesse entwickeln, die nicht reaktiv agieren, sondern aktiv wahrnehmen, planen und adaptiv mit ihrer Umgebung und mit Menschen interagieren.

Embodied AI umfasst KI‑Systeme, die fest in Maschinen oder technischen Anlagen verkörpert sind und durch kontinuierliche Interaktion mit der realen Welt Kompetenz aufbauen. Sie vereinen Wahrnehmung, Weltmodellierung, Entscheidungsfindung und physische Ausführung in einem integrierten Gesamtsystem. Dadurch können sie Unsicherheiten, Variabilität und komplexe Prozessdynamiken eigenständig interpretieren und situativ angemessen reagieren.

Worin unterscheidet sich Embodied AI von Digital AI und Physical AI?

Digital AI

 

Mit Digital AI (digitale KI) ist inzwischen ein großer Teil der Bevölkerung in Kontakt gekommen: Gemeint sind Systeme, die rein im Digitalen operieren, eingegebene Daten mithilfe von maschinellem Lernen verarbeiten und daraus passende Ausgaben erzeugen. Etwa Chatbots, die Texte generieren oder Inhalte wie Bilder, Videos oder Musik erstellen.

Physical AI

 

Einen Schritt weiter geht Physical AI (physische KI). Diese Systeme nehmen die reale Welt über Sensoren wahr und können auf Basis dieser Wahrnehmung mit ihrer Umgebung interagieren. Zum Beispiel, indem sie Maschinenparameter optimieren oder fertige Produkte mittels visueller Qualitätsprüfung beurteilen. 

Embodied AI (verkörperte KI)

geht über reine Wahrnehmung hinaus: Neben Sensorik verfügt sie auch über eine physische Verkörperung (also »einen Körper«) und kann über Aktoren selbstständig in der realen Welt handeln. Entscheidend ist dabei, dass Embodied AI durch Interaktion mit der Umgebung lernt. Sie ist nicht nur beobachtend oder optimierend, sondern erfahrungsbasiert lernend und handelnd. Typische Beispiele sind humanoide Roboter, aber ebenso autonome Fahrzeuge, Drohnen oder autonome Produktionen.

Hier zum Interaktiv zur Rubrik von Embodied AI

Warum stößt klassische Automatisierung an Grenzen und wie hilft Embodied AI?

Der Maschinen- und Anlagenbau steht unter wachsendem Druck: Internationaler Wettbewerb und Abhängigkeiten treffen auf sinkende Wertschöpfung und eine noch nicht durchgängige Digitalisierung in Prozessen und Maschinen.

Gleichzeitig stößt die klassische Automatisierung zunehmend an Grenzen bei:

  • Variabilität, Komplexität und Störungen im Prozess
  • zunehmender Produktindividualisierung
  • anspruchsvollen sensomotorischen und kognitiven Aufgaben

Embodied AI adressiert genau diese Lücke: Wenn KI integraler Bestandteil von Maschinen und Anlagen wird, ermöglicht sie Wahrnehmung, Kontextverstehen und Lernfähigkeit in Echtzeit und steigert so Autonomie und Kompetenz, um flexibel auf neue Situationen zu reagieren und Entscheidungen direkt in physische Aktionen umzusetzen.

Damit entsteht ein Hebel für produktivere, robustere und perspektivisch sichere industrielle Systeme und stärkt die technologische Souveränität, insbesondere im Zielmarkt Maschinen- und Anlagenbau (inkl. angrenzender industrieller Wertschöpfung), wo sichere, ganzheitlich integrierte und transferierbare KI‑Lösungen künftig zum Wettbewerbsfaktor werden.

Potenziale auf einen Blick

  • Kompetenzen: Anpassungsfähigkeit, sensorische Wahrnehmung, Echtzeitverarbeitung, physische Interaktionsmöglichkeiten
  • Produktivität: Produktivitätssteigerung durch erhöht Flexibilität von 30% bis 180% z.B. in der Logistik
  • Investition: Reduzierung des Technologieeinsatzes z.B. -30% Roboter möglich durch Autonomie und intelligente Steuerung

Vorteile auf einen Blick

  • Anpassungsfähigkeit: Flexiblere Reaktion auf Varianten & Störungen
  • Weniger Stillstand und Ausschuss: Frühe Fehlererkennung, autonome Kompensation
  • Plug-and-Produce: Schnellere Inbetriebnahme & Konfiguration
  • Erfahrungsbasierte Prozessoptimierung: Automatische Verbessrung
  • Entlastung der Fachkräfte: Maschinen übernehmen Analyse und Entscheidung

Was ist heute schon möglich und woran arbeitet das Fraunhofer IPA?

Embodied AI ist kein fernes Zukunftsszenario: Bereits heute zeigen humanoide Roboter, wie KI durch Wahrnehmung, Interaktion und physisches Handeln in komplexen Umgebungen Aufgaben bewältigen kann. Gleichzeitig arbeitet das Fraunhofer IPA daran, Embodied‑AI‑Ansätze gezielt in industrielle Maschinen zu übertragen. Unter anderem in einem Demonstrator für die Additive Fertigung, der domänenspezifische Anwendungsfälle schnell und praxisnah sichtbar macht.

Einblicke, Analysen und Anwendungsentwicklung

Wir beraten Sie gezielt zu Einsatzmöglichkeiten, Wirtschaftlichkeit und technologischer Reife humanoider Roboter. Mit unserer anwendungsspezifischen Expertise vermitteln wir Entscheidungswissen, inklusive relevanter regulatorischer Anforderungen, die beim Einsatz von Humanoiden in Industrie und Logistik berücksichtigt werden müssen. So erhalten Unternehmen eine klare, fundierte Entscheidungsgrundlage für den erfolgreichen und sicheren Einstieg in Embodied AI. Sichern Sie sich mit uns Ihren Wissens- und Technologievorsprung.

Embodied AI Demonstrator am Beispiel der additiven Fertigung

Am Fraunhofer IPA entsteht ein Demonstrator, der Embodied‑AI‑Technologien in eine Additive Fertigungsmaschine überführt. Ziel ist es, neueste Ansätze wie Weltmodelle, Agenten‑Frameworks, multimodale In‑Situ‑Sensorfusion und (industrial) Machine Learning an fokussierten, schnell umsetzbaren Anwendungsfällen zu zeigen.

Drei Bausteine im Demoaufbau

  1. Intelligentes Auftragsmanagement / Nesting: Für die Planung von Baujobs (Nesting) werden eine Vielzahl an Paramtern, unter anderem MES‑Daten und Geometriedaten, KI‑gestützt ausgewertet und in geeigneter Form (z. B. in einem Dashboard) bereitgestellt, um Planungsentscheidungen datenbasiert zu verbessern.
  2. EAI – Additive Fertigungsmaschine: Zur Druckoptimierung werden Weltmodelle in einem Agenten‑Framework eingebunden, um die Prozessparameter im laufenden Betrieb anzupassen. Dadurch erkennt die Maschine fehlerhafte Bauteile und optimiert Parameter auf dem Verständnis der Prozessumgebung, damit werden die Bauteile in der Fertigung gezielt optimiert.
  3. Quality first mit Emboided AI: Zur Verbesserung der Qualitätsprüfung werden multimodale In‑Situ‑Sensorfusion, ein Agentenframework und IML in den Demonstrator integriert. So wird eine situationsbewusste, interventionsfähige und selbstlernende Prüfung ermöglichen.

Stimmen & Perspektiven zu Embodied AI

Vortrag

Fabrik des Jahres 2026: Produktion wird zur Systemfrage

Was Embodied AI für die Produktion bedeutet

Pressemitteilung

Hardware für humanoide Roboter

Neue Perspektiven für die industrielle Wertschöpfung in Europa

Leitfaden

Wirtschaftlichkeit Humanoider Roboter

Interaktiv-Artikel

Humanoide Roboter – Status quo, Potenziale und Forschungsfelder (Teil 1 von 3)

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